Wie reagiert man am besten auf Fieber?

Fieber finden viele ganz einfach nur lästig. Und bei Kindern wird Fieber schnell auch als bedrohlich empfunden. Also versucht man, die Körpertemperatur so schnell wie möglich wieder zu normalisieren. Vielfach ist das allerdings gar nicht nötig.

Krankheitsabwehr durch innere Hitze:

Fieber ist eine Abwehrreaktion unseres Körpers und übernimmt wichtige Funktionen. Es zwingt zur Ruhe, so dass der Körper seine ganze Energie einsetzen kann, um Viren und Bakterien zu bekämpfen. Fieber tötet Krankheitserreger ab, die hohe Temperaturen schlecht vertragen. Und es kurbelt die Produktion von weißen Blutkörperchen an. Das sind die Zellen, die Erreger unschädlich machen.

Die drei Fieberphasen:

Man kann drei Fieberphasen unterscheiden:

  • In der ersten Phase versucht der Körper mit allen Mitteln Wärme zu produzieren und das macht er vor allen Dingen durch Muskelanspannung bis hin zum Zittern. Das bezeichnen wir dann als Schüttelfrost. Darüber hinaus vermindert der Körper seine Wärmeabgabe, indem er die Haut zusammenzieht. Der Kranke kauert sich zusammen und reduziert dadurch zusätzlich die Wärme abgebende Körperoberfläche. Außerdem zieht man sich bei Schüttelfrost warm an und deckt sich zu.

  • Phase zwei ist die „Plateauphase“. Jetzt geht es nur noch darum, die Temperatur zu halten. Bei Erwachsenen gelten mehr als 38 Grad als Fieber, bei Kindern spricht man von richtigem Fieber erst ab 39 Grad. Nach zwei bis drei Tagen stellt der Körper dann in der Regel sein inneres Thermostat wieder zurück.

  • Es beginnt Phase drei: Jetzt ist der Körper zu warm und es werden Wärmeabgabemechanismen aktiviert. Das heißt, die Hautgefäße weiten sich und man beginnt zu schwitzen.

Wadenwickel nur bedingt sinnvoll:

Wadenwickel sind ein beliebtes Hausmittel, um das Fieber zu senken. Vor allem besorgte Eltern reagieren allerdings oft zu schnell und setzen bei ihren Kindern Wadenwickel schon dann ein, wenn das Fieber noch steigt oder in der „Plateauphase“ konstant hoch bleibt. Das ist nicht sinnvoll. In der „Plateauphase“, produziert der Körper gegen die auf diese Weise entzogenen Wärme an, weil das innere „Thermostat“ noch hochgestellt ist. Das ist, als ob man einen Raum durch das Öffnen der Fenster abkühlt, anstatt die Heizung herunter zu drehen. Wenn man Wadenwickel zu früh einsetzt, wird der Schüttelfrost unter Umständen besonders heftig – weil der Körper gegen den Hitzeverlust ankämpft, sich also regelrecht warm zittert. Bei Kindern gibt es noch ein anderes Problem: sie haben bei abklingendem Fieber häufig kalte Waden. Dann bringt ein Wickel gar nichts. Will man sie einsetzen, sollte man es erst in der dritten Fieberphase machen.

Fiebermedikamente:

Wenn man in der „Plateauphase“ das Fieber senken will, dann geht das nur mit Medikamenten. Sie greifen direkt in das Regelzentrum im Gehirn ein. Fiebersenkend wirken Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen. Bei leichterem Fieber hilft auch Acetylsalicylsäure. Für Kinder ist dieser Wirkstoff allerdings tabu, weil er in seltenen Fällen problematische Nebenwirkungen haben kann. Das Fieber frühzeitig zu senken ist sinnvoll bei Menschen, die Probleme mit dem Herz- Kreislaufsystem haben. Ebenso bei gefährlichen hohen Temperaturen von über 40 ½  bis 41 Grad. Ansonsten sollte man das Fieber senken, wenn man durch Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieberphantasien am Schlaf gehindert wird. Denn Schlaf ist für die Genesung wichtig. Kindern sollte man fiebersenkende Mittel geben, wenn sie zu Fieberkrämpfen neigen oder wenn sie noch sehr klein sind.

Wann zum Arzt?

Wenn Fieber bei Säuglingen unter drei Monaten auftritt, ist das gefährlich, weil das Abwehrsystem noch nicht richtig ausgereift ist. Ein Besuch beim Arzt empfiehlt sich auch, wenn ein fieberndes Kind anhaltend Flüssigkeit verliert (Schwitzen, Durchfall, Erbrechen) und es nicht ausreichend trinkt. Dann besteht die Gefahr einer  Überhitzung. Wenn Fieber ohne erkennbare Ursache länger als 3 Tage anhält, sollte man ebenfalls zum Arzt gehen.

Information:

  1. Fiebermittel in Öko-Test
  2. Patientenleitlinien Universität Witten Herdecke - Stichwort: Fieber bei Kindern

Quelle: http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/